Ein krasser Tausensasser – Laudatio auf Prof. Dr. Dr. Dr. Rolf Schwendter

Uli Düwert

Der Schauspieler Uli Düwert vom "Schnaps- und Poesie-Theater Marburg trug die Laudatio vor. (Foto: Alexandra Appel)

Diese Laudatio von Jürgen Neitzel und Franz-Josef Hanke hat Uli Düwert bei der Preisverleihung am 30. Juni 2008 im Historischen Saal des Marburger Rathauses vorgetragen. Der ursprünglich vorgesehene Laudator Prof. Dr. Christoph Nix hatte wenige Tage zuvor abgesagt.
Wer sich während seines Studiums mit Alternativen zur herkömmlichen Ökonomie, Sozialpsychiatrie oder zur bürgerlichen Lebensführung beschäftigt hat, der wird hie und da auf Rolf Schwendters Schriften gestoßen sein. Seine wissenschaftlichen Arbeitsgebiete reichen von „Theorie der Subkultur“ über eine „Kulturgeschichte des Alltags“ bis hin zu mehreren Bänden über alternative, selbstverwaltete Ökonomie.
Doch Schwendter war nie ein Wissenschaftler im sprichwörtlichen Elfenbeinturm. Eine seiner ehemaligen Studenten – die Journalistin Gertrud Salm – sagt ihm einen „ansteckenden Hang zur Praxis“ nach.
Dabei war und blieb er ein scharfsinniger, geistreicher Mensch, wurde nie ein rechthaberischer Ideologe. Darin stimmen alle, die ihn kennen, überein.
Geboren wurde Rolf Schwendter am 13. August 1939 in Wien als Rudolf Scheßwenter. Nach der Matura – in Deutschland nennt man die Reifeprüfung „Abitur“ – studierte er Rechtswissenschaften, Staatswissenschaften und Philosophie. Alle drei Studiengänge schloss er schließlich mit einem Doktortitel ab. 1962 promovierte er in Jura, 1965 in Politologie über „Die sozialreformatorische Funktion der Intellektuellen im Nationalsozialismus“. Im ominösen Jahr 1968 legte er auch noch in Philosophie eine Doktorarbeit über „Die Bühne als politisches Forum in Theorie und Praxis bei George Bernhard Shaw und Bertolt Brecht“ nach.
In den Jahren 1959 bis 1967 war er Koordinator der „Informellen Gruppe zu Wissenschaft und Kunst“ in Wien.
1968 bis 1971war er freischaffender Liedermacher. 1970 veröffentlichte er die „Lieder zur Kindertrommel“.
1971 erschien die erste Auflage seiner „Theorie der Subkultur“. Inzwischen hat sie bereits vier Auflagen erlebt.
Von 1971 bis 1974 war Schwendter Dozent am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2003 war er schließlich Professor für Subkultur-Forschung an der Universität Kassel. In diesen 28 Jahren hat er die soziale Szene der nordhessischen Universitätsstadt maßgeblich geprägt.
Schwendter war Mitbegründer des Ersten Wiener Lesetheaters und des Vereins zur Förderung alternativer Kultur in Kassel, den Kasselanern meistens als „Offenes Wohnzimmer“ bekannt. Von 1992 bis 2002 war er Vorstandsmitglied der „IG Freie Theaterarbeit“ in Wien. Seit 2001 fungiert er als Präsident der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft.
Im Jahr 1980 erschienen seine „Lieder zum freien Gebrauch“ unter dem politisch verstanden Titel „Ich bin noch immer unbefriedigt“, frei nach dem Rolling-Stones-Song „I can’t get no satisfaction“.
Rolf Schwendter lebt in Wien und Kassel. Der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet unter seinem Namen 40 verschiedene Bücher, davon zwei in niederländischer Übersetzung.
Schwendter ist eine Art intellektueller Zehnkämpfer. Neben den drei Fachgebieten seiner Promotionen war er auch in den Bereichen Psychologie und Theaterwissenschaften aktiv. Wichtiger jedoch war ihm die praktische Umsetzung seiner Ideen in seinen Rollen als Anstifter und Organisator von kultur- und sozialpolitischen Initiativen, als Dramaturg, Schriftsteller, Koch und Liedermacher.
Bei den legendären Liedermacher-Treffen auf der Burg Waldeck 1968 und 1969 war Rolf Schwendter mit dabei. Erst kürzlich hat sich Reinhard Mey öffentlich beklagt, dass seine Lieder bei Schwendter nicht auf den gewünschten Widerhall gestoßen waren. Schwendter hatte auf der Burg Waldeck ein Liebeslied von Reinhard Mey noch einmal auf seine Art mit der Trommel vorgetragen und dem Publikum damit eine kritische Interpretation dazu geliefert.
Das Mainzer Open-Ohr-Festival hat Schwendter mitgegründet und jahrelang mitgeprägt. Auch wenn er selbst nie dem Organisationskreis angehört hat, trägt das Konzept die Handschrift des engagierten Trommlers für Soziale Gerechtigkeit, für kulturelle Originalität und politische Alternativ-Kultur: Workshops zu aktuellen politischen, sozialen und alternativ-wirtschaftlichen Themen wechseln hier mit Musik-Darbietungen ab. „Open Ohr“ steht dabei für jene offene Geisteshaltung, die Schwendter zeitlebens praktiziert hat.
Als Mensch – ob als Professor, Privatmann oder Künstler – wird Schwendter als außergewöhnlich entgegenkommend und überzeugend geschildert. Meist gehe er mit großer Aufmerksamkeit auf die Äußerungen seines Gegenübers ein. Auch Tuchfühlung mit den Randständigen in der Gesellschaft scheue er nicht.
Als Devianz-Forscher hat er sich besonders für diejenigen interessiert, die von der Mehrheit an den Rand gedrängt oder gänzlich ausgegrenzt werden. Bis in die späten 70er Jahre hinein verschwanden Menschen schnell in Psychiatrischen Anstalten, wenn sie durch „abweichendes Verhalten“ aufgefallen waren. Ein negatives Beispiel war Klaus-Peter Löser, der neuen Jahre zu Unrecht in der Psychiatrie festgehalten wurde. Das Landgericht Marburg hat ihn dafür eine halbe Million DM als Schadensersatz und Schmerzensgeld zugebilligt.
Schwendter setzte sich für „Soziale Therapie“ in kleinen Wohngruppen innerhalb des persönlichen sozialen Umfelds statt für das Wegsperren psychisch erkrankter Menschen ein. Das „Institut für Soziale Therapie“ in Kassel geht ganz wesentlich auf seine Initiative zurück.
Im Psychosozialen Zentrum an der Motzstraße in Kassel gibt es heute passenderweise einen „Rolf-Schwendter-Saal“, der auch der Öffentlichkeit für Veranstaltungen zur Verfügung steht.
Das von Schwendter mitbegründete legendäre „Offene Wohnzimmer“ findet darin eine beständige Ergänzung. Als „Offenes Wohnzimmer“ kennen die Kasselaner ein kleines Kulturzentrum mit regelmäßigen Veranstaltungen zum Austausch über aktuelle soziale und politische Themen.
In einem Interview stellte Schwendter 1996 fest: „Wer…die Schule (mitsamt ihren ewigen Hausaufgaben, Prüfungsvorbereitungen und vorweggenommenen Chancenverteilungen
nach der Gaußschen Notenkurven-Verteilung) absolvieren, Überstunden leisten (während andere erwerbslos sind), den Haushalt verrichten, die Kinder (unter den Bedingungen heutiger Infrastrukturen) versorgen, als Abendmensch morgens aufstehen (oder als Morgenmensch nachts aufbleiben), sich die Tage und Nächte mit Reparaturen, Steuererklärungen, anschaffungsbezogenem Werbematerialien-Studium, Versicherungspolicen, Schuldendiensten, Chefarztbesuchen, Behördengängen, telefonischen Besetztzeichen….um die Ohren schlagen und dazu noch Dutzende ebenfalls zeitaufwendiger Kompensationsangebote wahrnehmen muß, um das Ganze überhaupt auszuhalten, wird mit Sicherheit nicht über genug Muße verfügen, um irgend etwas Kreatives sich einfallen lassen zu können, damit er/sie wenigstens eine Zehe aus dem Rattenrennen rausstrecken kann.“
Kreativität hat Schwendter allemal bewiesen. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2003 übernahm er 2006 das Amt des Präsidenten der renommierten Grazer Autorenversammlung. Als Textprobe mag das Gedicht von 1996 aus dem Band „Drizzling Fifties“ dienen: „Stramm dagestanden, Hände in den Jeans – Taschen,
mit jenem „Was – kostet – die – Welt“ – Lächeln, dem überzeichneten, zwischen Ankauf der Lufthansa & Friedhof der Namenlosen,
wenn der Vater „Auf dich kommt nicht soviel“ gesagt hat
– der Neue Sozialisationstyp ist immer schon uralt.
Noch kein Crack, nein: Alkohol reicht noch.
Ein dufter Typ: Pomade und Kölnischwasser.
Nicht sorgt noch der Fußball für Bataillesche Entgrenzung:
Ein Christbaum voller Mercedes – Sterne, ein Strauß Autoantennen vor der Fahrt im Burberry aufs Hafelekar.
Ein Rhythmus Rock, ein Holzstück, das nachgibt,
Motorroller, allenfalls eine Autofahrt Richtung Abgrund,
noch keine Polizei, die auf gut Glück Parties überfällt,
Hands up und Handschellen, pro Gast zwanzig Liegestütze,
diese Art L.A. Law: Gestapo, gemildert durch Medien.
Noch nicht mit Scheinwerfern in alle Häuser geleuchtet.
Denn: noch keineswegs fünfundzwanzig Prozent arbeitslos,
noch nicht White Fence, nein, der weiße Zaun vor der
Wüstenrotsiedlung. Wenige Jahre: das Lächeln ist ganz verschwunden, und „Was kostet die Welt“ bringt die Antwort: Zuviel“.
Eine besondere Spezialität von Schwendter sind übrigens japanische Haikus. Er hat diese ostasiatische Gedichtform nicht nur selber gepflegt, sondern in Seminaren auch seinen Studenten beigebracht.
Ihre persönliche Sicht auf ihn hat uns Elisabeth Voß aus Berlin am Wochenende übermittelt:
„Der Devianz-Forscher mit dem phänomenalen Gedächtnis, der fast immer die verschiedenen Gruppen und Projekte vor Augen hat, ihre Akteure kennt und mit dem es sich wunderbar erinnern lässt – weißt Du noch, damals, der und die… – ohne jemals in billigen Klatsch abzugleiten, weil die Erinnerung der Schärfung des Blickes dient, dem Aufzeigen von inhaltlichen Kontinuitäten oder Brüchen, und weil das alles getragen ist von seiner Liebe zum Gegenstand seiner Forschungen.
o Der Vordenker der Alternativen Ökonomie, der diese als wichtigen Bestandteil einer gelebten Utopie beobachtet und kritisch kommentiert. Seine Sorge gilt insbesondere den Anpassungsprozessen, durch die die ursprünglich utopischen Ausgestaltungen der Zusammenarbeit und des Wirtschaftens sich unter dem Druck des Marktes oft dem entfremdeten, marktwirtschaftlichen Funktionieren angleichen.
o Der große Vernetzer, der sich mit Zunahme der digitalen Kommunikation immer mehr von den großen Kommunikationsprozessen abgekoppelt hat. Seine Medien sind die handschriftliche Aufzeichnung und das persönliche Gespräch. Ein Fax über das Uni-Büro konnte ihn ausnahmsweise manchmal noch erreichen. Aber eigentlich lebt er jenseits jeglicher Form der Telekommunikation.
o Der Künstler, nicht nur mit seinem Ersten Wiener Lesetheater, sondern auch als Mann mit der Trommel, der noch immer unbefriedigt ist.
o Der schreibende Koch, der (fast?) ausschließlich Fleischgerichte zubereitet, bevorzugt Coq au vin oder anderes, was – zum Leidwesen seiner vegetarischen Mitmenschen – stundenlang vor sich hinköchelt, entsprechende Gerüche verbreitet, und schlussendlich die Fleischessenden sehr erfreut.
o Der früher notorische Kettenraucher, für den im TAK AÖ (Theoriearbeitskreis Alternative Ökonomie) eine eigene Regel eingeführt wurde: Eigentlich ist das Rauchen auf den Treffen verboten. Sollte aber jemand, weil er nicht rauchen darf, abreisen müssen, sei diesem das Rauchen ausnahmsweise gestattet. Ich wünsche Rolf, dass es ihm gelingt, das Rauchen dauerhaft aufzugeben.
o Und nicht zuletzt Rolf ganz privat, zwischen seinen Frauen und mit seiner eigenwilligen Erscheinung, die schon mal dazu führte, dass ein Praktikant, der ihn für ein Seminar vom Bahnhof abholen sollte, verzweifelt im Tagungshaus anrief und sagte, Prof. Schwendter sei immer noch nicht da, es säße dort nur so ein verwahrloster älterer Mann mit vielen Tüten, der behauptete, der Professor zu sein.“ Auch Fritz Letsch hat uns einige kurze Sätze über Rolf Schwendter geschickt:
„Sein Wirken hat in verschiedenen Bereichen und Verbänden Maßstäbe gesetzt und verschoben:
In der Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Arbeitskreise (früher der evangelischen. und katholischen Studentengemeinden) hat er die Behindertenarbeit zur emanzipatorischen Krüppel-Bewegung begleitet, in der Anti-Psychiatrie-Bewegung schon damals mit Betroffenen auf Augenhöhe zusammengearbeitet, als dies noch vollkommen ungewöhnlich war.
Alternativen Projekten war er immer solidarisch kritisch verbunden. Aufmerksam und kenntnisreich konnte er von Armuts- und Obdachlosenbewegungen, Bioläden bis Musik, Fahrradprojekt und selbstorganisiertem Tagungshaus, Ökobank und Fairsicherung, Genossenschaftswesen und Projekte-Landschaft Auskunft geben.
Der Theorie-Arbeitskreis „Alternative Ökonomie“ war Freundeskreis und Herausgebergruppe, der Kreis der Zukunftswerkstatt-Moderierenden um Robert und Ruth Jungk ein Kollegium, dem er eng verbunden war.
Im alltäglichen Umgang mit ihm konnte man / frau in kürzester Zeit die korrektest gegenderte Sprechweise lernen, denn er sprach in seinen Beiträgen und Vorträgen schon lange das Binnen-I, wie es bis heute (meines Wissens) fast nur die taz schreibt, aber nie im wissenschaftlich überhöhten Stil, sondern auf sein Publikum zugeschnitten.
Wenn uns heute die Alternativ-Bewegung historisch vorkommt, die Alternativ-Losigkeit zur privaten Sicherung ausweglos erscheint, liegt das mehr an der Anpassung der diversen Szenen, als an ihm und seinem Wirken.“
Schwendter hat auch eine plausible Antwort darauf parat, warum Soziale Bewegungen meist viel weniger Menschen auf die Beine bringen als beispielsweise der Fußball: In Sozialen Bewegungen müssen die Menschen meistens die frustrierende Erfahrung machen, dass sie kaum etwas ändern können. Beim Fußball gewinnt wenigstens manchmal zwischendurch auch die eigene Mannschaft.
Schwendter ist bekannt für seinen Scharfsinn, sein enzyklopädisches Gedächtnis und die Fähigkeit, Menschen zu gemeinsamem Handeln zusammenzuführen. Dabei legt er größten Wert auf „soviel Basisdemokratie wie möglich“.
„Singen, trommeln, dichten , schreiben, Kaaatzen streicheln, collagieren, kritzeln, lesen, im Caféhaus sitzen, kochen, essen, Zug fahren, Taxi benutzen, nicht telefonieren, nicht Computer bedienen, Zahnärzte meiden, Zucker meiden, Weißdorn schlucken, Frauen lieben, viel rauchen, Tee trinken“, so beschrieb Gertrud Salm seinen kulturellen Alltag. Das Rauchen soll er aufgegeben haben, sonst stimmt wohl noch alles.
Genauso verhält es sich vermutlich auch mit der Beschreibung, die Schwendters Sohn, Ray Schweßwendter, anlässlich des 65. Geburtstags seines Vaters in Gedichtform gebracht hat: Ja ja der Schwendter
Exzellenter
Subkultur-Theoretiker
Entsprechender
Intellektueller
Langsam in der Bewegung
Schnell in der Entgegnung

Der Liebe Herr Schwendter
Herr Doktor, Herr Professor
Leiht mir ein Ohr
Denn er
Ist ein krasser Tausensasser

Du fragst wer?
Und ich sag’m ehr
Autor, prominenter
Mentor, intelligenter
Koordinator eines ganzen Heer
Von Lesetheater Spielern
Ungehemmter Lesetheater-Lenker
Fast Genialer Denker

Leser und Schreiber
Kaffeehaus Rumtreiber
Entgegner vieler Neider
Leider
Geschäftiger Exzentriker
Hehrer Eklektiker
Kein rechter Verfechter
Und Intrigenverflechter

Der Liebe Herr Schwendter
Herr Doktor, Herr Professor
Leiht mir ein Ohr
Denn er
Ist ein krasser Tausensasser

Gesegneter Gasthausspeiser
Eher lauter als leiser
ICE-Zug Reiser
Nie mehr umsteigen in Treysa
Feister Reimmeister
Seine Bücher reinster Gehirnkleister
Seither Dreister Kulturdienstleister

Erfahrener Terminplaner
Konzentrierter Vielseitiger
Engagierter Literaturinteressierter
Ledener Gegner
Beredter Redner
Außerdem ist er
Volljurist und noch mehr
Sozialwissenschaftler

Der Liebe Herr Schwendter
Herr Doktor, Herr Professor
Leiht mir ein Ohr
Denn er
Ist ein krasser Tausensasser

Fähiger Listenerlediger
Kontakteschmieder
Schreiber vieler Lieder
Vater eines Kindes
Ja richtig. Ich bin es
Katzenschmuser, und -kenner
Sammler entsprechender Emotionalia
Selten zu erreichen und doch da
Bescheidener Intellektueller Star

Kettenraucher
Sein Bauch pflegt er auch sehr
Teetrinker
Alkohol schon lang nicht mehr.
Eher Wasser, kein Softdrinker
Koch und Kochbuchschreiber
Seltener philosophischer Lehrmeister
Eher geduldiger Zuhörer

Der Liebe Herr Schwendter
Herr Doktor, Herr Professor
Leiht mir ein Ohr
Denn er
Ist ein krasser Tausensasser
Hochschullehrer jetzt isser
Keiner mehr, jetzt emeritierter
Bleibt begabter Gesellschaftskritiker
Spätaufsteher
Eher weniger äußerlicher Herr
Kein begeisterter Outfitter
Kein handwerklicher Schwinger
Geistiges kann er besser
Er ist ein differenzierter Messer
Veränderter Bedingungen
Beobachter entstehender Sozialstruktur
Ein Strukturinnovierender,
Ein Alternativer pur.
Eher flexibel als stur
Kein Autofahrer aber immer auf Tour
Der Liebe Herr Schwendter
Herr Doktor, Herr Professor
Leiht mir ein Ohr
Denn er
Ist ein krasser Tausensasser
Kein Urlauber aber kräftiger
Als so mancher Bär
Langsam doch im Hirn kein Träger
Gelegentlicher Jour-Fix Verpfleger
Regelmäßiger Buchmessen-Steher
Weitsichtiger Brillenträger
Nächtlicher Fleißarbeiter
Geflissentlicher Dichter
Berührender Lyriker
Ehemaliger Zukunftsforscher
Mechanikbenutzer eher
Als die elektronischen Wecker
Naja und noch so einiges mehr
Gratuliere ihnen mein Her r.
Jetzt wird’s noch besser.
Dieser Beschreibung seines eigenen Sohnes ist fast nichts mehr hinzuzufügen. Nur eine Aussage über den Preisträger des „Marburger Leuchtfeuers“ 2008 wollen wir Ihnen im Rahmen dieser Feierstunde nicht vorenthalten. Der Künstler Thilo Götze Regenbogen kennzeichnete Rolf Schwendter in der Festschrift zu seinem 65. Geburtstag mit den Worten: „Manche regieren die Welt, andere sind die Welt“.

Jürgen Neitzel und Franz-Josef Hanke

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