Mit dem Herzen sehen – Begrüßungsrede von Franz-josef Hanke zur Preisverleihung 2009

Franz-Josef Hanke

Rede des HU-Ortsvorsitzenden Franz-Josef Hanke zur Preisverleihung 2006

Diese Begrüßungsrede hat Franz-josef Hanke zur Preisverleihung 2009 am 26. April 2009 im Historischen Saal des Marburger Rathauses gehalten.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Herr Gutschick, meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Humanistischen Union und – last, but not least – liebe Sabriye Tenberken und lieber Paul Kronenberg!
Bereits zum fünften Mal stehe ich heute hier, um die Anwesenden im Namen des HU-Ortsverbands Marburg zur Verleihung des Marburger Leuchtfeuers für Soziale Bürgerrechte willkommen zu heißen. Erstmals tue ich das in Vertretung von Dragan Pavlovic, der dieses Wochenende wegen zwingender beruflicher Termine leider unabkömmlich ist.
Zum ersten Mal kann heute leider auch meine Mitstreiterin Erdmuthe Sturz nicht bei der Preisverleihung zugegen sein. Meine Genesungswünsche und Hoffnungen gehen nach Berchtesgaden, wo sie jetzt in Gedanken sicherlich bei uns ist.
Unter uns begrüßen kann ich zu meiner Freude heute aber Käte Dinnebier, die das Leuchtfeuer 2007 erhalten hat. Ebenso herzlich begrüße ich Frau Dr. Marianne Gutschick, die ihren Mann freundlicherweise nach Marburg begleitet.
Erst gestern abend habe ich erfahren, dass Ihr Vater, liebe Frau Gutschick, ein Mitstreiter meines Vaters war. So schließen sich auf unerwartete Weise die Kreise.
Natürlich freue ich mich auch, dass so viele Menschen hierhergefunden haben, um dieser Feierstunde im Historischen Saal des Marburger Renaissance-Rathauses beizuwohnen. Seien Sie alle herzlich willkommen!
Unsere diesjährige Preisträgerin ist ja auch eine außergewöhnliche Frau. Über ihr Wirken werden wir heute Vormittag sicherlich noch Einiges erfahren. Gestatten Sie mir deswegen nur eine kurze persönliche Anekdote:
Kennengelernt habe ich Sabriye Tenberken durch meine Arbeit in der Fachgruppe „Medien“ des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS). Es muss ungefähr 1991 gewesen sein, als die damalige Schülerin an einem DVBS-Fachgruppenseminar in Heidenrod-Springen teilgenommen hat. Als Referent hat daran seinerzeit ein Vertreter des Deutschen Journalistenverbands (DJV) mitgewirkt. Sehr gut entsinne ich mich noch der Auseinandersetzung zwischen ihm und Dir, liebe Sabriye.
Dieser Referent hatte damals den Part des „Advocatus Diaboli“ übernommen. Er wollte Dir ausreden, Journalistin zu werden. Du hättest kaum Chancen, meinte er, als blinde Frau in diesem Beruf!
Damals hast Du ihm sehr selbstbewusst Contra gegeben. Alle Anwesenden – auch ihn – hat das mächtig beeindruckt.
Zur Zeitung oder zum Rundfunk bist Du dann dennoch nicht gegangen. Angesichts Deiner Arbeit, die wir heute ehren, sage ich frohgemut „Gott sei Dank!“
Aber wie Deine Bücher belegen, wärest Du wohl auch eine gute Journalistin geworden. Jedenfalls habe ich Deine Berichte aus Tibet mit großer Neugier und Begeisterung verfolgt.
Dank für diese Arbeit abstatten möchte ich an dieser Stelle auch Paul Kronenberg, der Dich bei Deiner Tätigkeit zum Wohle Behinderter tatkräftig unterstützt. Im Namen der Blinden und Sehbehinderten darf ich Ihnen, lieber Paul, dafür von ganzem Herzen danken. Das tue ich zwar ohne jegliches Mandat, aber ganz gewiss mit Zustimmung der allermeisten Betroffenen, denke ich.
Ganz besonders danken möchte ich auch Herrn Gutschick. Obwohl Sie, lieber Herr Gutschick, am Mittwoch Ihre eigene Verabschiedung nach 20 Jahren als Geschäftsführer der Aktion Mensch (AM) in Bonn feiern, haben Sie meine Anfrage nach einer Übernahme der Laudatio auf Sabriye Tenberken – fast ohne Zögern – positiv beschieden. Darüber freue ich mich sehr.
Besonders groß ist meine Freude deswegen, weil ich Sie als AM-Geschäftsführer in einer Phase kennen und schätzen gelernt habe, in der die einstige „Aktion Sorgenkind“ zur „Aktion Mensch“ weiterentwickelt wurde, in der Ihr Projekt Die Gesellschafter eine Öffnung hinaus aus dem Behinderten-Ghetto gebracht hat und in der ich Ihnen immer wieder als einem Menschen begegnet bin, der Tatkraft und Engagement mit persönlicher Integrität verbindet. Auch für die nun beginnende neue Phase Ihres Lebens wünsche ich Ihnen die gleiche Kraft, dasselbe Fingerspitzengefühl und natürlich viele weitere schöne Erlebnisse. Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!
„Blindheit ist ein bedauernswürdiger Zustand, aber eine unverzeihliche Haltung“, schreibt Bernd Kebelmann. Natürlich dürfen wir die Augen nicht verschließen vor dem Unrecht, das tagtäglich in Deutschland geschieht. Hier kann und muss noch viel getan werden. Aber wir sollten uns dennoch ab und zu einmal vergegenwärtigen, dass wir in Westeuropa bei unserem Engagement für Soziale Gerechtigkeit immer noch auf der Sonnenseite stehen.
Wärmendes Licht in Form von Anerkennung, Bildungs-Chancen und letztlich einer selbstbestimmten Zukunft hat Sabriye Tenberken den blinden Kindern in Lhasa gebracht. Inzwischen strahlt dieses Leuchtfeuer weiter aus nach Kerala in Indien, wo Sabriye und Paul derzeit ein Ausbildungszentrum für behinderte Sozial-Manager aufbauen. Dabei wünsche ich allen Beteiligten eine glückliche Hand und viel Erfolg.
„Blind sein, heißt kämpfen“, schreibt Jose Saramago. Antoine de Saint Exupery weiß genau, dass man – wenn überhaupt – nur mit dem Herzen sehen kann. Wenn das stimmt, liebe Sabriye, dann musst Du total gut gucken können.

Franz-Josef Hanke

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