Ein Leuchtfeuer im Dunkel des Alltags – Begrüßungsrede zur Preisverleihung 2010

Franz-Josef Hanke

Franz-Josef Hanke hält Begrüßungsrede zum marburger Leuchtfeuer (Foto: Erdmuthe Sturz)

Diese Begrüßungsrede hat Franz-Josef Hanke zur Preisverleihung 2010 im Historischen Saal des Marburger Rathauses gehalten.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, liebe Festgäste, sehr geehrter Herr Brosig und – last, but not least – lieber Herr Richter!
Ich freue mich sehr, Sie alle heute hier im Historischen Saal des Marburger Renaissance-Rathauses begrüßen zu dürfen. Mein besonderer Gruß gilt dem Stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Schirmer als Vertreter der Universitätsstadt Gießen, die unseren heutigen Preisträger erfreulicherweise zu ihrem Ehrenbürger ernannt hat, der Marburger Ehrenbürgerin Schwester Edith Ludwig und der Leuchtfeuer-Preisträgerin Käte Dinnebier sowie Frau Richter und Frau Brosig. Seien Sie herzlich willkommen!
Bereits zum sechsten Mal stehe ich heute an diesem Redepult, um die Feierstunde zur Verleihung des Marburger Leuchtfeuers für Soziale Bürgerrechte zu eröffnen. Auch in diesem Jahr dürfen wir mit Prof. Dr. Dr. Horst Eberhard Richter wieder eine herausragende Persönlichkeit mit dem „Marburger Leuchtfeuer“ auszeichnen.
Würdigen wollen wir – die Universitätsstadt Marburg und die Humanistische Union – damit vorbildlichen Einsatz für die Gleichberechtigung aller Menschen in der Gesellschaft ohne Ansehen ihrer sozialen Stellung oder ihrer gesundheitlichen Disposition.
Die Kriterien dieses Preises hat Herr Richter in besonderer Weise erfüllt. Mit wie viel Kraft und persönlichem Einsatz die Arbeit zur Behandlung psychisch kranker Menschen verbunden sein kann, davon kann ich aus meiner Erfahrung in der Bürgerrechtsarbeit ein klein wenig erahnen. Menschen mit psychischen Problemen sind nicht immer einfach. Ihnen mit Respekt entgegenzutreten und sie ernst zu nehmen, erfordert große Gelassenheit und viel Kraft.
Zu Ihrem Engagement, lieber Herr Richter, wird Jürgen Neitzel als Sprecher der Jury nachher noch Genaueres sagen. Deshalb darf ich mich jetzt auf einige grundlegende Anmerkungen zu unserem Preis beschränken.
Eine Ehrung wie das „Marburger Leuchtfeuer“ kann naturgemäß immer nur Personen würdigen, deren Wirken der Jury bekannt ist. Deswegen bitten wir alljährlich im Herbst um Vorschläge aus der Bevölkerung. Auch diesmal haben wir einige bemerkenswerte Einreichungen erhalten, die allerdings hinter dem ausgezeichneten Herrn Richter zurückstehen mussten.
Ein Name mag stellvertretend für all diejenigen stehen, die diesen Preis durchaus verdient hätten, ihn aber angesichts der Fülle geeigneter Vorschläge nicht erhalten haben. Ich denke dabei an Jürgen Markus.
Der langjährige FIB-Vorsitzende und Stadtverordnete ist im Frühjahr leider viel zu früh verstorben. Seiner gedenke ich an dieser Stelle mit Bewunderung und Respekt vor einer Lebensleistung, die mir zugleich Beispiel und Ermutigung gegeben hat. Lieber Jürgen, wir danken Dir für Deinen Einsatz!
Danken möchte ich auch all denen, die diese Preisverleihung erst möglich gemacht haben. Stellvertretend nenne ich Melanie Drusel und Rainer Kieselbach von der Stadtverwaltung und ihren Chef Egon Vaupel, die Mitglieder der Jury und Erdmuthe Sturz, die in diesem Jahr erfreulicherweise wieder bei uns sein kann.
Besonderer Dank gilt Herrn Professor Brosig, der – ohne zu zögern – die Laudatio auf Herrn Richter übernommen hat. An der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Gießen führt er inzwischen die Arbeit des diesjährigen Preisträgers fort.
Angesichts der herausragenden Würdigungen, die Sie bereits erhalten haben, mag unsere Auszeichnung für Sie, lieber Herr Professor Richter, vielleicht nur von vergleichsweise geringer Strahlkraft sein. Für uns aber ist Ihr Vorbild ein großes Leuchtfeuer in der Trübnis und Dunkelheit eines Alltags voller Desinteresse, Egoismus und Rücksichtslosigkeit gegenüber den Mitmenschen.
Lassen Sie mich deshalb zum Schluss den Leitspruch des Kabarettisten Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier zitieren, der auf Ihr Wirken trefflich passen könnte: „Mensch bleiben!“Jürgen Neitzel Franz-Josef Hanke

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