Begrüßung zur Preisverleihung – Feierstunde für das Marburger Leuchtfeuer 2012

Franz-Josef Hanke

Franz-Josef Hanke hält Begrüßungsrede zum marburger Leuchtfeuer (Foto: Erdmuthe Sturz)

Der HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke begrüßte die Teilnehmenden an der Feierstunde am 03. Mai 2012 im Historischen Saal des Marburger Rathauses.

Im Namen der Humanistischen Union Marburg möchte ich Sie alle hier im Historischen Saal begrüßen. Bereits zum achten Mal stehe ich hier, um eine Preisverleihung des Marburger Leuchtfeuers für Soziale Bürgerrechte zu eröffnen.

Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass – entgegen der Angaben im ausgedruckten Programm – heute allein Holger Probst für die Musik verantwortlich zeichnet. Er ist nicht nur ein hervorragender Musiker, sondern auch Professor für Sonderpädagogik und vor allem Nachbar unseres heutigen Preisträgers Dr. Bernhard Conrads.

Ich begrüße den Präsidenten von „Special Olympics“ Herrn Landesminister a. d. Gernot Mittler.

Mein besonderer Gruß und Dank gilt Dieter Gutschick, der hier im Jahr 2009 die Laudatio auf die Leuchtfeuer-Preisträgerin Sabrye Tenberken gehalten hat. Auch seine Ehefrau Dr. Marianne Gutschick heiße ich sehr herzlich willkommen.

Lassen Sie uns kurz innehalten und derer gedenken, die in diesem Jahr nicht mehr unter uns sind. Wir trauern um Prof. Dr. Dr. Horst-Eberhard Richter, der hier vor zwei Jahren das Marburger Leuchtfeuer entgegengenommen hat. Die Humanistische Union Marburg trauert außerdem um ihre Mitstreiter Horst Weller und Helmar Lorenz, die im Jahr 2012 von uns gegangen sind.

Eine besondere Ehrung wird in diesem Jahr jemandem zuteil, der im Jahr 2010 verstorben ist. Dem Sozial-Aktivisten Jürgen Markus hat die Universitätsstadt Marburg jetzt einen Preis gewidmet, der alle zwei Jahre an Marburger Projekte ausgeschrieben wird. Erstmals wird in diesem Jahr eine Initiative mit 20.000 Euro ausgezeichnet, die sich für ein barrierefreies Marburg einsetzt.

Zur Stiftung des „Jürgen-Markus-Preises: Marburg barrierefrei“ möchte ich die Universitätsstadt Marburg, Herrn Oberbürgermeister Egon Vaupel, Herrn Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer und alle weiteren Verantwortlichen an dieser Stelle loben: Mit dieser Würdigung handelt die Stadt im Sinne von Jürgen Markus, dem wir damit ein lebendiges und nachhaltiges Andenken schenken.

Eine weitere Gratulation an die Stadt Marburg möchte ich noch hinzufügen. Mit dem „Access City Award“ der Europäischen Union ist Marburg als barrierefreieste Stadt Deutschlands ausgezeichnet worden.

Diesen Preis hat Marburg redlich verdient. Ich kenne keine Stadt, die sich so stark um Behinderte bemüht.

Allerdings sollte diese Auszeichnung auch ein Ansporn sein, die Maßnahmen für behinderte Bürger künftig noch passgenauer auf die Belange jedes einzelnen Betroffenen abzustimmen. In Zukunft möchte ich zur Rechtfertigung von – für mich nicht hinnehmbaren – baulichen Maßnahmen nicht mehr hören, dass „Die Blinden“ es so akzeptiert hätten, als wären wir Behinderten nicht genauso unterschiedliche Menschen wie alle anderen auch!

Es ist immer noch Luft nach oben. Das gilt auch für die Organisationen der Selbsthilfe, die lernen müssen, dass der Anteil von mehrfach Behinderten weitaus höher ist als gedacht und dass sie ihnen nicht in den Rücken fallen dürfen!

„Blind sein, heißt kämpfen“, hat der portugiesische Literatur-Nobelpreisträger Jose Saramago in seinem Buch „Stadt der Blinden“ geschrieben. Manchmal mag man als Behinderter nicht mehr immer um jede Kleinigkeit kämpfen müssen und möchte sich einfach nur freuen.

Das wollen wir heute gemeinsam mit unserem Preisträger Bernhard Conrads tun. Ihm danke ich für viele interessante Gespräche, die wir oft während langer Autofahrten zwischen Marburg und Bonn oder in die Rhön miteinander geführt haben.

Einen großen Dank richte ich – last, but not least – an Ottmar Miles-Paul. Als Mitbegründer der Interessengemeinschaft für ein Selbstbestimmtes Leben Behinderter (ISL), von „Mensch zuerst“ in Kassel und der Kooperation Behinderter im Internet (KOBI), die heute als Kobinet-Nachrichten firmiert, ist Ottmar eine zentrale Figur in der bundesdeutschen Behindertenbewegung.

Trotz wichtiger anderer Termine als Behindertenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz ist er heute hierhergekommen, um die Laudatio auf unseren diesjährigen Preisträger zu halten. Auch wenn Ottmar Miles-Paul früher wird aufbrechen müssen, bezeugt dieser Einsatz seinen großen Respekt für Bernhard Conrads. Deshalb, lieber Ottmar, bin ich nun gespannt auf Deinen Vortrag.

Franz-Josef Hanke

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