Leuchtfeuer der Solidarität: Begrüßungsrede von Franz-Josef Hanke für die HU Marburg

Für die Humanistische Union hat Franz-Josef Hanke die Gäste der Feierstunde zur Verleihung des Marburger Leuchtfeuers 2021 begrüßt. Das Manuskript entspricht nicht der am Donnerstag (15. Juli) tatsächlich gehaltenen Rede.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Stadträtin Kirsten Dinnebier, meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!
Heute begrüße ich sie ausnahmsweise einmal nicht im Historischen Saal des Rathauses, sondern im Erwin-Piscator-Haus. Seinem Namensgeber verdanken wir eine Blüte des Theaters, des Films und der Literatur, die nun nach den Einschränkungen der Pandemie hoffentlich wieder Fahrt aufnehmen und eine noch größere Strahlkraft gewinnen mögen als zuvor.
Sehr geehrte Frau Ackermann-Feulner, ich danke Ihnen für die Bereitschaft, heute die Laudatio auf die Preisträgerin Halina Pollum zu halten, die Sie ja bereits seit ihrer Ankunft in Marburg vor 35 Jahren kennen.
Ein besonderer Gruß gilt der Leuchtfeuer-Preisträgerin Hilde Rektorschek, die der Jury die diesjährige Preisträgerin vorgeschlagen hat.
Ich begrüße die ehemalige städtische Frauenbeauftragte Christa Winter und Helga Pukall vo Verein „Interkulturelle Gärten“ sowie Ortsvorsteherin Erika Lotz-Halilovic vom Richtsberg.
Ich begrüße die beiden Söhne der Preisträgerin, von denen einer extra aus Köln angereist ist.
Ich begrüße meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter der Jury, allen voran den Marburger Ehrenbürger Egon Vaupel. Ihr, liebe Mitjuroren, seid mir gerade in letzter Zeit, ein persönliches Leuchtfeuer gewesen, für das ich Euch allen ganz herzlich danke.
Mein Dank geht auch an Jessica Petracarro-Goertsches, die uns auch diesmal wieder mit ihren Bildern unterstützt.
Nicht zuletzt gilt mein Gruß heute Halina Pollum als diesjähriger Preisträgerin des „Marburger Leuchtfeuers für Soziale Bürgerrechte“. Als ich Ihnen, liebe Frau Pollum, die Entscheidung der Jury mitgeteilt habe, antworteten Sie überrascht: „Warum ich? Ich bin doch nur eine ganz einfache Frau?“
Dieser großen Bescheidenheit steht ein umfassendes Wirken in vielen Bereichen gegenüber, über das wir heute sicherlich noch mehr erfahren werden. Jedenfalls freue ich mich, Ihnen zum „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“ gratulieren zu dürfen.
Besondere Zeiten erfordern besondere Lösungen. Das hat sich auch die Jury des „Marburger Leuchtfeuers“ gedacht und eine besondere Entscheidung getroffen: Mit dem „Marburger Leuchtfeuer für besonderen Einsatz in der Corona-Pandemie“ zeichnen wir heute hier vier Marburger Gruppen aus, die stellvertretend für die vielen Menschen geehrt werden, die sich in diesen schweren Zeiten durch ihr herausragendes Engagement ausgezeichnet haben. Ich freue mich, als Vertreter*Innen dieser Gruppen heute hier stellvertretend für die Coronahilfe Marburg
Rama Morei, Jannika Marré und Brigitte Bohnke,
für die Marburger Tafel:
Rita Vaupel und Waltraud Dorn,
für Medinetz Marburg
Celia Gaillard, Luisa Maria Potthoff und Oliver Kübeck,
für die Pflegekräfte in Kliniken und Heimen
Michaela Bückendorf von einer Covid-Intensivstation des UKGM und Benjamin Diez vom Pflegeheim Barz sowie Gisela Lind vom UKGM-Betriebsrat
begrüßen zu dürfen. Ihnen und Ihren Mitstreitenden möchte ich auch persönlich meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen.
Gerade über die Belastungen in der Pflege während der Corona-Pandemie habe ich berührende und erschütternde Geschichten gehört. Angesichts solcher Erfahrungen habe ich absolut kein Verständnis dafür, dass Demonstrationen gegen Einschränkungen in der Pandemie ohne Mundschutz und Abstand – vor allem ohne Abstand zu Neofaschisten und sogar mit Davidstern – stattfinden. Demokratie braucht Freiheit; aber Freiheit muss immer die Grenzen des Lebens und der Gesundheit der Mitmenschen achten!
Liebe Anwesende, im Verlauf dieser Feierstunde werden sie wahrscheinlich mehr über die Arbeit des Pflegepersonals und der Ehrenamtlichen in den anderen – heute ausgezeichneten – Gruppen erfahren. Richten Sie sich darauf ein, dass es – angesichts der vier zusätzlich ausgezeichneten Gruppen – wohl eher zwei Feierstunden werden dürften!
„Feier“ ist heute das Gebot der Stunde. Bei der letzten Leuchtfeuer-Preisverleihung 2020 haben wir der Corona-Toten und ihrer Angehörigen gedacht und an die vielen Menschen erinnert, die unter den Umständen der Pandemie auf unterschiedlichste Weise leiden. Diesem Gedenken setzen wir heute den Dank an all diejenigen an die Seite, die ihren Mitmenschen in der Corona-Krise tatkräftig geholfen und sie in schwierigen Situationen unterstützt haben. Die Freude über das solidarische Handeln vieler Mitmenschen kann die Trauer nicht wegwischen; aber sie kann uns aufzeigen, wie wir auch künftige Krisen bewältigen können wie beispielsweise die drohende Klimakatastrophe.
„Corona könnte ein Wendepunkt sein hin zu mehr Solidarität und Mitmenschlichkeit“, wünscht sich Konstantin Wecker in seinem eindrucksvollen Stück „Willi 2021“. Genau das ist auch mein Wunsch und die Hoffnung unserer Jury bei der Vergabe des „Marburger Leuchtfeuers für besonderen Einsatz in der Corona-Pandemie“.
Wir können unsere Mitmenschen tausendmal ermahnen „Seid solidarisch unt unterstützt einander“; helfen wird das wenig. Das vorbildliche Verhalten der heute geehrten Preisträgerinnen sowie die beispielhafte Arbeit der ausgezeichneten Gruppen können – so hoffen wir – vielleicht einige Menschen zum Mitmachen, zum Spenden oder zu Empathie sowie bestenfalls eigenen Aktivitäten anregen.
Das alles wollen wir heute in würdigem und feierlichem, doch zugleich auch heiteren und hoffnungsfrohen Rahmen vermitteln. Die Strahlkraft der vielen Vorbilder, die wir heute erleben dürfen, möge möglichst vielen das Herz erwärmen und sie zu eigenem Engagement ermutigen! In diesem Sinn wünsche ich den Geehrten wie auch den anderen Teilnehmenden eine schöne „Feierstunde“.

Franz-Josef Hanke für die Humanistische Union Marburg

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