Gleich mehrere Leuchtfeuer: Preisverleihung 2021 im EPH

Für ihren Einsatz während der Corona-Pandemie haben die Stadt und die HU Marburg vier Marburger Gruppen ausgezeichnet. Das reguläre „Marburger Leuchtfeuer“ 2021 erhielt Halina Pollum.
Für ihr vielfältiges soziales Engagement in gleich mehreren Bereichen hat Halina Pollum am Donnerstag (15. Juli) im Erwin-Piscator-Haus (EPH) das „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“ erhalten. Die Humanistische Union (HU) und die Universitätsstadt Marburg zeichneten zudem die herausragende Hilfe von Marburger Ehrenamtlichen mit dem „Marburger Leuchtfeuer für besonderen Einsatz in der Corona-Pandemie“ aus.
„Das Marburger Leuchtfeuer ist ein Preis, der Persönlichkeiten auszeichnet, die sich – zumeist ehrenamtlich – in besonderer Weise für die soziale Teilhabe aller einsetzen“, eröffnete Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies die Verleihung. Die Pandemie habe die Menschen vor besondere Herausforderungen gestellt und gleichzeitig eine Vielzahl an Engagement für das Wohl und die Sicherheit anderer hervorgebracht. Gemeinsam mit den Vertreter*innen der Jury zeichnete Spies einige dieser engagierten Menschen aus.
„Besondere Zeiten erfordern besondere Entscheidungen“, erklärte der Marburger HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke. Darum hat die Jury beschlossen, neben dem „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“ in diesem Jahr ausnahmsweise auch vier Marburger Gruppen mit einem „Marburger Leuchtfeuer für besonderen Einsatz in der Corona-Pandemie“ auszuzeichnen.
Das Marburger Leuchtfeuer 2021 ging an Halina Pollum, die sich in herausragender Weise kommunalpolitisch – vor Allem aber auch für ältere und gesundheitlich beeinträchtigte Menschen sowie geflüchtete Frauen und Kinder – engagiert hat. Die Laudatio auf die Wahl-Marburgerin hielt Karin Ackermann-Feulner. Die Geschäftsführerin des Bewohnernetzwerks für Soziale Fragen (BSF) am Richtsberg hat das Wirken der gebürtigen Polin seit vielen Jahren begleitet.
Die Preisbegründung trug der Jury-Sprecher Egon Vaupel vor. „Neben der Auszeichnung möchte ich mich vielmals bei allen Mitstreiter*innen für ihre Unterstützung bedanken“, sagte Pollum, nachdem sie das Marburger Leuchtfeuer entgegengenommen hatte. Das Engagement für soziale Teilhabe sei auch unabhängig von der Pandemie wichtig, daher hoffe sie, dass es auch weiterhin so viele Menschen geben wird, die sich für andere einsetzen.
Mit dem „Marburger Leuchtfeuer für besonderen Einsatz in der Corona-Pandemie“ gewürdigt wurden die Corona-hilfe Marburg, die Tafel Marburg, Das Medinetz Marburg und das Personal in Pflegeheimen und Kliniken. „Sie alle stehen stellvertretend für die vielen Menschen in Marburg, die sich während des Lockdowns für ihre Mitmenschen eingesetzt haben“, erläuterte Hanke. „Mit der Würdigung möchten wir dazu aufrufen, ihrem Beispiel zu folgen und auch weiterhin Solidarität miteinander und füreinander zu üben.“
Nur wenige Tage nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 hatten sich bereits mehr als 400 Menschen in verschiedenen Online-Gruppen zusammengefunden, um ihre Mitmenschen in der Nachbarschaft zu unterstützen. Sie übernahmen Einkäufe, andere Erledigungen und Botengänge oder führten den Hund einer sogenannten „Risikoperson“ aus. „Die Nachbarschaftshilfe Marburg zeichnet sich durch eine generationenübergreifende Solidarität aus und ist somit ein gutes Vorbild gelebter Nachbarschaftshilfe“, sagte Hanke, der die Preisbegründung auf die „Corona-Hilfe Marburg“ vortrug.
Der Lockdown hat auch die Marburger Tafel vor erhebliche logistische und organisatorische Probleme gestellt. Gleichzeitig ist die Not und damit der Bedarf an Unterstützung durch die Lebensmittel der Tafel angestiegen. Weil ihr angestammtes Domizil nicht dafür geeignet war, hat die Tafel Marburg auf dem Gelände der Kreisverwaltung extra ein Zelt aufbauen lassen, um Bedürftige Corona-konform mit Lebensmitteln zu versorgen.
Zudem hat sie Lieferungen an Studenten bereitgestellt, die ihre Minijobs verloren haben. „Für ihre gelebte pragmatische Solidarität sowie ihr unerschütterliches Verantwortungsbewusstsein erhält die Marburger Tafel das Marburger Leuchtfeuer für besonderen Einsatz in der Corona-Pandemie“, schloss Jury-Mitglied Jens Bertrams seine Preisbegründung.
Auch unter den erschwerten Bedingungen während des Lockdowns haben Freiwillige vom Medinetz Marburg Menschen zu medizinischen Behandlungen begleitet und gegenüber dem Personal in Praxen und Kliniken die Kostenübernahmeerklärungen vorgetragen. Gleichzeitig haben sie Geflüchteten und anderen sozial benachteiligten Menschen komplexe medizinische Befunde und Behandlungen erklärt sowie sie zur Inanspruchnahme ihres Rechts auf Zugang zu ärztlichen Leistungen bestärkt. Das Medinetz beweise da Mitmenschlichkeit und Mitgefühl, wo das offizielle Gesundheitssystem versage, erklärte Melsene Prinz für die Jury.
Für sein herausragendes Engagement während der Corona-Krise zeichnete die Jury außerdem das Pflegepersonal mit dem „Marburger Leuchtfeuer für besonderen Einsatz in der Corona-Pandemie“ aus. Stellvertretend für alle Pflegekräfte in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern würdigt die Jury damit das Personal der Corona-Intensivstation im Universitätsklinikum Marburg des UKGM und die Pflegenden im Heim Balz. „Die enorme physische und psychische Belastung haben die meisten Pflegenden bis heute aus- und durchgehalten, obwohl sie daneben – genauso wie alle anderen – monatelang die Lasten der Pandemie ertragen mussten“, betonte Matthias Schulz in seiner Preisbegründungsrede.
Die Verleihungsfeier wurde von dem Jury-Mitglied Jochen Schäfer musikalisch begleitet. Die HU Marburg hat die Reden – wie bereits im Vorjahr – auf Video aufgezeichnet. Die Aufnahmen werden auf der Online-Plattform Youtube abrufbar sein. Alle verfügbaren Redemanuskripte sind auf der Internetseite www.marburger-leuchtfeuer.de zu finden.

Stadt Marburg