Leuchtfeuer 2021 für Halina Pollum: Preisbegründung der Jury

Halina Pollum wurde am 15. Juli 2021 mit dem „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“ ausgezeichnet. Die Preisbegründung der Jury hat deren Sprecher Egon Vaupel vorgetragen.
Mit dem Marburger Leuchtfeuer würdigt die Jury das jahrzehntelange Engagement von Halina Pollum in gleich mehreren unterschiedlichen Bereichen sowohl für Ältere, Kranke sowie insbesondere für geflüchtete Frauen und Kinder. Halina Pollum sorgt tagein tagaus für eine gute, hilfsbereite Nachbarschaft und schafft mit ihrer Arbeit die Grundlage für ein funktionierendes Gemeinwesen, dabei begreift Sie Diversität als ein Gewinn und lebt diese.
Die „Würde im Alter“ ist für sie von großer Bedeutung. Darum bezieht sie die älteren Menschen beispielsweise bei der Planung der Sanierung im Altenheim mit ein.
Wichtig ist der Medizinisch-technischen Radiologie-Assistentin auch das Thema „Mehr Zeit zur Pflege“ im Hinblick auf Qualifizierung von Therapeuten und Pflegepersonal. Der Ausbau der ambulanten Pflegedienste und der Angebote für Senioren sind ihr ein Herzensanliegen.
Sie besorgt Arbeitsplätze für Menschen mit seelischen Problemen und engagiert sich auch selbst im Café des Spiegelslustturms. Ehrenamtlich ist sie außerdem im Redaktionsteam von „Richtsberg aktiv“ tätig. Dort hatte sie die Idee, eine Sammlung von Sammeltassen mit über 40 Gedecken auszustellen.
Ein weiteres Betätigungsfeld der gebürtigen Polin ist das Bürgernetzwerk für Soziale Fragen (BSF) am Richtsberg. Dabei verfolgt sie einen ganzheitlichen Ansatz, der die Menschen im Stadtteil in den Blick nimmt und sie möglichst konstruktiv miteinander ins Gespräch bringt.
Ganz besonders engagiert ist Halina Pollum bei der Unterstützung geflüchteter Frauen mit Kindern. Als „Kulturpatin“ kümmert sie sich darum, dass die Menschen in den Genuss von Kultur- und Sportveranstaltungen kommen. Gemeinsam mit der Kulturloge Marburg hat sie die Kooperation mit den Geflüchteten-Initiativen am Richtsberg intensiviert. Der egelmäßige Austausch zwischen den Beteiligten der Kulturloge, den Geflüchteten und den Flüchtlings-Einrichtungen konnte selbst die vorhandenen Sprachbarrieren überwinden.
Besonders alleinerziehende Elternteile und Familien mit mehreren Kindern wurden so in die Kulturlandschaft eingebunden ebenso wie die Familien und Kinder der geflüchteten Menschen. Selbst wenn sie die Sprache noch nicht verstehen, können sie mit entsprechender Vorbereitung Konzerte, Theater und Kino besuchen. Beispielsweise besuchten 30 Kinder mit Eltern gemeinsam mit der Kulturpatin Halina Pollum das Theaterstück „Ali Baba und die 40 Räuber“ des Hessischen Landestheaters im Erwin-Piscator-Haus (EPG).
Außerdem besucht sie mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Heimspiele des Bundesliga-Basketballs der Frauen. Mit der Kulturloge hat sie in den Ferien Tagesausflüge mit Theaterbesuchen nach Bad Vilbel unternommen.
Pollum arbeitet im Projekt „Interkulturelle Gärten“ am Richtsberg mit, wo sie vor allem Geflüchteten praktische Erfahrungen beim Gärtnern und damit Selbstvertrauen vermittelt. Da wo man den Boden bearbeitet und sät, will man ernten und wird heimisch. Zugleich eröffnet dieses Projekt den Beteiligten eine Chance zur Selbstversorgung mit Gemüse und Obst aus eigener Produktion.
Nicht zuletzt wegen ihrer eigenen Migrationserfahrung hat die gebürtige Polin sich seit Jahren in der Flüchtlingsarbeit engagiert. Auf dem Richtsberg und darüber hinaus unterstützt sie vor allem geflüchtete Frauen und Familien mit Kindern sowie Alleinerziehende.
Auch behinderten Kindern und Erwachsenen gilt ihr Augenmerk. Während der Corona-Pandemie hat sie beispielsweise blinde Bewohner von Häusern in ihrer Nachbarschaft angerufen und gefragt, ob sie ihnen helfen könne.
Insgesamt hat sie einen sensiblen Blick für ihre Nachbarschaft und übernimmt Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen. Das tut sie unaufdringlich und bescheiden, ohne große Worte darüber zu machen.
Ihre Mitarbeit im Ortsbeirat Richtsberg ist für die Sozialdemokratin nur die konsequente Fortsetzung ihres gesellschaftlichen Einsatzes in ihrem Wohnumfeld. Gerade dieser Stadtteil mit besonderen sozialen Herausforderungen verdankt ihr und vielen Projekten, an denen sie seit Jahren mitwirkt, eine besondere Lebensqualität für Alleinerziehende, Alte, Behinderte, Geflüchtete und Familien.
Letztlich lebt Halina Pollum Solidarität in allen Bereichen ihres Alltags. Dieses Engagement für ihre Nachbarinnen und Nachbarn betrachtet sie als „Selbstverständlichkeit“. Gerade diese Haltung mit einem Gestus der Ermutigung zu gesellschaftlicher Teilhabe, gerade sozial benachteiligter Mitmenschen, ehrt die Jury als leuchtendes Vorbild praktischer Solidarität und einer demokratisch-aktiven Grundhaltung.

Egon Vaupel als Sprecher der Jury